Wie eine der beliebtesten Bergwirtschaften in der Hinteren Sächsischen Schweiz entstand …

Der Wachberg mit seiner einzigartigen Aussicht ist schon seit langem bekannt.

Er liegt im Schnittpunkt zweier Wege, die mindestens genauso alt sind wie die gebietstypischen Waldhufendörfer.

Bei Thomasdorf zweigt von der Hohen Straße die uralte Diebstraße ab und führt dicht am Wachberg vorbei nach Zeidler. Auf ihr wurden die im nahen Böhmen im Oberlauf der Kirnitzsch schon seit 1350 hergestellten Glaswaren weit in die deutschen Lande gebracht. Von dieser Glasstraße zweigt am Wachberg der ebenso alte Saupsdorfer Steig ab, der zum Zollhaus und ab dort weiter als Roßsteig über den Winterberg zu den Elbausschiffungsplätzen bei Herrnskretschen führt. Sebnitz ist eine Stunde und die Stadt Nixdorf, einstmals wegen ihrer bedeutenden Stahlwarenerzeugung das nordböhmische Solingen genannt, kaum eine halbe Stunde entfernt.

Auf der vom sächsischen Markscheider Matthias Öder 1592 angefertigten Karte ist es noch der Butterberg. Dieser Name ist jetzt nur noch für den Westausläufer üblich. Die Bezeichnung Wachberg entstand vermutlich zu Beginn des 30jährigen Krieges. Damals, 1620 hatte man den Späher George Grohmann dorthin ausgesandt, um den aus Böhmen einfallenden Feind zu erspähen und die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen. Der Tourismus machte ihn schließlich zur Schweizerkrone.

Schon lange vor der Errichtung der ersten Gaststätte, kamen an den Sonn- und Feiertagen die Bewohner aus den umliegenden sächsischen und böhmischen Orten gern zu ihrem Berg hinauf, um mit Nachbars- und Gevattersleuten ein Plauderstündchen zu verbringen und sich an der weitreichenden, einzigartig schönen und dabei so lieblichen Aussicht zu erfreuen, wie man sie auf keinen anderen der umliegenden Berge genießen konnte. Die blassgesichtigen Leineweber aus Sebnitz, die kräftigen Nixdorfer Messerschmiede, die Blumenmacher aus der Umgebung, die Saupsdorfer Garnbleicher und Strumpfwirker, die kunstfertigen Hinterhermsdorfer Holzuhrenmacher, die Waldarbeiter, Sägewerker und Flößer aus den Räumichten und Mühlen, sie alle waren des Sonntags hier oben zu finden, noch lange bevor dieser Berg von den Touristen aus dem Dresdner Elbraum entdeckt wurde. Um diesen Platz noch angenehmer zum Verweilen zu machen, hatte der Lehnrichter Thiermann aus Saupsdorf, dem dieser Berg gehörte, ein nicht bewirtschaftetes Berghäuschen, ein sogenanntes Belvedere errichten lassen.

 

Wie es um Saupsdorf vor 200 Jahren bestellt war, erfährt man aus Pastor Leberecht Götzingers Buch „Die Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz“ von 1812. In einer Randnote ist zu lesen:

„Daß Amtsdorf Saupsdorf zählt in 90 Häusern 648 Einwohner. Es hat sich durch Erbauung eines schönen neuen und sehr zweckmäßig eingerichteten Schulhauses sehr vorteilhaft ausgezeichnet. (Das läßt uns aufhorchen: 650 Eiinwohner konnten sich eine eigene Schule leisten). Die Garnbleiche des hießigen Landschöppen, Herrn Thiermann, ist sehr bedeutend; auch sind noch einige andere ansehnliche Bleichen hier. Der Bruder des Landschöppen hat schon seit mehreren Jahren eine ansehnliche Fabrik und Handlung von gewirkten wollenen Strümpfen, Strumpfhosen und dergleichen ähnlichen Artikeln hier etabliert, mit welchen er sehr gute Geschäfte auch in das Ausland macht. – Unter den hießigen Einwohnern sind viel sogenannte Landgänger, oder solche Handelsleute, welche mit sogenannter kleiner Waare in vielen Artikeln in weite Gegenden hausieren. – Auch giebt es hier Schleifer und Siebmacher, welche ins Land gehen.“

Er schreibt weiter: „Dieses ansehnliche Dorf, in welchem sich einige (Bauern)Güther besonders auszeichnen, zieht sich an einem sehr hohen Berge, den Wachberg, hinauf, von dem man hat eine der schönsten Prachtansichten hat, die der Freund derselben nicht übergehen kann. Das Auge wird durch das Leben und den Reiz einer weiten Aussicht sich von neuem gestärkt fühlen. Beleuchtet nun dieses große Bild gerade die untergehende Sonne, dann wird das den Eindruck davon noch unvergesslicher machen. – Herr Landschöppe Thiermann hat durch ein oben angelegtes Lusthaus diesen Platz zum Verweilen noch angenehmer gemacht.“

Er vergisst auch nicht zu erwähnen, dass hier zwei Jahre vorher eine kühne Frau, Madam Reichard, ihre Luftschifffahrt abbrechen musste. Wilhelmine Reichard war die erste deutsche Ballonfahrerin. Ihr dritter Flug erfolgte 1811. Sie startete bei schlechtem Wetter im Großen Garten in Dresden. Man fuhr damals mit Helium und hatte wenig Erfahrung. Der Ballon stieg zu hoch. Madam Reichard wurde bewusstlos. Zum Glück platzte der Ballon, funktionierte wie ein Fallschirm und blieb am Wachberg in den Ästen eines Baumes hängen. Die Gondel stürzte ab und die Frau wurde einige Zeit später bewusstlos aufgefunden. Götzinger äußert die Meinung, dass man auf diese Art nie mehr in die Sächsische Schweiz reisen werde. Da hat er allerdings eine falsche Vorhersage getroffen, denn wäre es gestattet, so würden die Ballonfahrer den Berg oft ansteuern.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann die „Bereisung“ unserer Gegend. Im Herbst 1851 wurde von Thiermann das erste Wirtshaus auf dem Wachberg erbaut und gleichzeitig ein 20 Meter hohes Aussichtsgerüst, den ersten Aussichtsturm in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz. Der Lehnrichter verpachtete den Berghof. Auch der Lehngerichtsgasthof unten im Dorf erfreute sich damals eines regen Zuspruchs als Übernachtungsstätte. Der Mode entsprechend gab der Besitzer diesem den Namen „Schweizerkrone“. Doch ohne sein Zutun wurde der Name von den Touristen auf das Berghaus übertragen. Die ersten Bergwirte waren Johann Martin, ein Peschke und dann Franz Ackermann. Letztgenannten Initialen findet man noch heute an der Dachverzierung der Baude.

Um diese Zeit brauchten die Touristen auch nicht mehr von Dresden zu Fuß hierher kommen. Die Bahnlinie durchs Elbtal gab es schon seit 1851. Als aber 1877 die Bahnlinie von Schandau nach Sebnitz in Betrieb ging und zwei Jahre später 1878 die Kahnfahrt auf der Schleuse eröffnet wurde, begann für den Wachberg der touristische Aufschwung. Die Leute reisten nun massenweise am Bahnhof Sebnitz an. Von hier gingen sie über den Tanzplan zum Wachberg und von hier weiter nach Hinterhermsdorf, der Oberen Schleuse, der Kirnitzschschänke, dem Altarstein, dem Prebischtor und in die Edmundsklamm bis nach Herrnskretzschen. Dort setzte man mit der Fähre zum Bahnhof Schöna über, um nach Dresden zurückzufahren.

In der Zeit des großen touristischen Aufschwunges übernahm die Familie Tauchmann 1898 das Gasthaus. Wie es genau dazu kam, erzählen wir an anderer Stelle. In der Hand der Familie Tauchmann blieb der Berggasthof über alle Wirren der Zeiten hinweg bestehen. 1926 übernahm ihn der Sohn Karl, der aber Hans gerufen wurde. Nach dessen frühen Tod 1936 führte das Geschäft seine Frau Linda Tauchmann im Namen der unmündigen Kinder. 1949 wurde das Haus für die Grenzpolizei beschlagnahmt. Die Familie Tauchmann wurde zu Sozialhilfeempfängern. Der damalige Besitzer Hans Tauchmann, der Enkelsohn des Stammvaters Carl Gottlob hat diesen Schicksalsschlag nicht überlebt. 1950 wurde die Gaststätte unter der Geschäftsleitung von Frau Linda Tauchmann wieder eröffnet. Nach deren Tod übernahm die Tochter Erika Tauchmann 1962 die Geschäftsführung. Das Haus blieb auch zu DDR-Zeiten in privater Hand. Die Betten wurden auf Vertragsbasis ausschließlich über die Handwerkskammer Neubrandenburg vermietet.

Das Berghaus wurde mehrmals erweitert und modernisiert. Es ist immer noch ein beliebter Berggasthof mit Pensionsbetrieb. Seit 2000 in der Hand von Frau Brigitte Müller und ihrem Mann Frank. Das ist die 4. Generation der Familie, denn Brigitte ist die Urenkelin von Carl Gottlob Tauchmann. Am 31. 10.2014 stand sie zum letzten Mal für ihre Gäste in der Küche. Aus Altersgründen hatten sie und ihr Mann sich schweren Herzens entschlossen den Betrieb einzustellen.

Nach über einem Jahr der Ruhe, hörte man im Januar 2016 wieder erste Handwerker an und in der Bergbaude werkeln. Familie Müller war glücklich, im ortsansässigen Arndt Rußig einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Den neuen Besitzer der Baude verbinden frühe Kindheitserinnerungen und Jugendzeiterfahrungen mit dem Wachberg. Erika Tauchmann hat Arndt Rußig mit ihrer mütterlichen Art sehr viel für seinen eigenen Lebensweg mitgegeben, wofür er ihr immer sehr dankbar sein wird.

Und so ist es am Ende mehr als Idealismus und Ortsverbundenheit, die ihn dazu bewegte, mit seinem Konzept und einem neuen Team um Matthias Sturm am 04. Juni 2016 die Wachbergbaude wieder zu eröffnen.

Quelle: Auszüge aus der Festschrift „150 Jahre Wachbergbaude“, 2001, Chr. Maaz, Heimatverein Hinterhermsdorf e.V.

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